sushi auf italienisch

New York ist immer toll, ganz egal wie lange der Aufenthalt dauert. Im Oktober habe ich lediglich zwei Tage in dieser riesengroßen Stadt. Ich reise mit dem Bus aus Toronto an. In zehn Stunden über Nacht. Hinfahrt, eine Übernachtung und dann über Nacht wieder zurück. Wahnsinn. Aber Wahnsinn, der sich lohnt. Vor allem, wenn ein klein wenig kulinarischer Luxus erlaubt ist.

Das ESCA ist ein Fisch-Restaurant in New York City. 402 West, 43.Straße, nur ein paar hundert Meter vom Times Square entfernt. Von außen ist es weder besonders einladend, noch abstoßend. Aber ich rate dringend dazu, hier zu essen. Das ESCA ist sicher kein Geheimtipp, den Besitzern gehören einige angesehene Läden in New York. Aber als ganz gewöhnlicher Tourist verirrt man sich schätzungsweise selten in diesen vergleichsweise zentral gelegenen Laden. Denn trotz der Nähe zum Times Square, befindet sich das ESCA ein klein wenig ab vom Schuss. Abends sollte man reservieren, ganz sicher, aber ich rate ohnehin zu einem Besuch in der Mittagszeit. Lunch ist angemessen, wenn man zwar ein bisschen was ausgeben möchte, aber nicht gleich ganz arm wieder nach Hause will. Satt und zufrieden wird hier mit Sicherheit jeder.

Schon beim Reinkommen übernehmen gleich drei Angestellte die Begrüßungszeremonie. Das Publikum beim Lunch ist eindeutig aus der Business-Fraktion. Anzüge, schicke Krawatten, das kurze Luftholen in der Mittagspause beim Edel-Italiener. Wir sind zu zweit. Ein Blick in die Karte verrät, dass der günstigste Wein pro Glas 20 Dollar kostet. Hui. Machen wir das wirklich? Ach egal, wir sind in New York und wir haben Urlaub.

An den Tisch tritt ein angenehm freundlicher und zuvorkommender Kellner. Er erklärt uns wie das ESCA funktioniert. Für einen Amerikaner scheint es ein ungeheures Unterfangen zu sein, richtig italienisch essen zu gehen. Der Kellner versucht uns klarzumachen, dass zunächst Antipasti bestellt werden können: „Das ist so etwas wie Sushi, nur eben mit Gemüse.“ Sushi auf italienisch, wir sind perplex. So hätten wir Antipasti nie erklären können. Danach kommen Suppen, Primi Piatti, Secondi Piatti und Nachtisch. Wie das eben so ist in Italien. Wir grinsen und nicken dem Kellner freundlich zu. Er geht und bringt uns den bestellten Weißwein.

Zum Glück versteht das ESCA mehr vom Kochen, als vom Erklären italienischer Essgewohnheiten. Wir bestellen Antipasti. In unserem Fall Austern und Verdura Mista. Und nun beginnt meine Lobeshymne. Die Austern sind einfach perfekt. Angerichtet in einer kleinen Schale voller Eis und mit ein bisschen Meeres-Grünzeug liegen die sechs auserwählten Muscheln. SieIMG_2088 schmecken nicht zu aufdringlich nach Meer und gemeinsam mit der Säure der Zitrone sind gute Austern eben einfach eine ideale Vorspeise.                                            Das Gemüse klingt nicht sensationell. Aber es ist sensationell. Denn noch nie habe ich gemischtes Gemüse, mit so einer Geschmacksvielfalt gegessen. Auf dem Teller sieht es nach Fisch aus, es schmeckt aber nicht danach, sondern eben nach exzellentem Gemüse mit einer frischen Soße, die nicht zu dominant ist. Trotzdem wäre das kleine Gericht natürlich nichts ohne diesen ricottaartige Zusatz. Ich entnehme der Karte, dass Schafsmilch bei der Zubereitung eine Rolle spielt. Paprika, irgendein Kohl, eigentlich ist es mir egal, denn es ist schlicht hervorragend.

Die Hauptgerichte sind aus den Kategorien Primi Piatti (Nudeln) und Secondi Piatti. Über die Sciallatelle, es handelt sich um Bandnudeln, kann ich nicht viel sagen. Aber mit Nudeln kann man beim Italiener IMG_2087nicht so viel falsch machen, auch nicht beim amerikanischen Italiener. Die Soße besteht nicht aus zu viel Sahne, das ist schon mal das Wichtigste.

Ich esse keine Nudeln, sondern Thunfisch. Ja, Peta hat schnell zehn Gründe zusammengefasst, die mir erklären, warum Fisch, insbesondere Thunfisch, vom Speiseplan gestrichen werden müsste. Aber ich esse nicht dauernd Thunfisch, so wie ich auch nicht dauernd zum teuren Italiener in New York gehe. Als Alternative werden bei Peta Walnüsse und Leinsamen aufgeführt.                                                                                                                     Der Fisch ist im ESCA die Spezialität. New York ist eben doch eine Stadt am Meer. Auf meinem Teller erscheint der Thunfisch in zwei kleinen abgerundeten Stücken. Von außen leicht braun gebraten, nach innen perfekt, so dass das Herzstück des Fleischs ein bisschen roh ist. Ich meine, so richtig schwierig ist es für einen erfahrenen Küchenchef nicht Thunfisch richtig zu braten. Aber dennoch. Ich bin vom ESCA überzeugt. Zum Abschluss zahlen wir und werden positiv überrascht. Der Wein ist mittags mit im Preis drin. Wir verlassen unseren frisch gefundenen New Yorker Lieblingshafen vollkommen satt und zufrieden. Deshalb hier auch dieser kleine Text: hingehen!

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