Ibrakadabra

Er ist ein Zauberer. Er kann wundersame, unglaubliche, spektakuläre Dinge. Mit den Füßen, der Brust, den Knien und vor allem mit dem Ball. Zlatan Ibrahimovic ist einer der besten Fußballer der Welt und er spielt in einem Team, das vollgepackt ist mit weiteren Hochkarätern dieses Sports. Und Paris Saint Germain weiß das. Alle hier wissen das. Ici, c’est Paris. So lautet der Kampfspruch im Parc des Princes, der zum Glück bald renovierten Arena.

Am 29. November ist Nizza zu Gast in Paris. Und Zlatan Ibrahimovic hat seit drei ganzen Monaten nicht mehr getroffen in der Ligue Une. Nizza, das ist eine graue Maus in der französischen ersten Liga, irgendwo im hinteren Mittelfeld, recht solide unterwegs. Paris Saint Germain weiß auch das, die Mannschaft mit Ibrahimovic, mit Cavani, mit Thiago Silva, mit David Luiz und ich höre jetzt einfach auf mit den anderen Namen, denn es ist schier nicht zu fassen wer sich da unten auf dem Rasen alles versammelt hat, diese Mannschaft lässt beim Warmlaufen bereits erahnen wie sie gedenkt Fußball zu spielen. Ja, sie machen sich warm, es sind schließlich Profis. Aber es sind Profis, die ihren Job so erledigen, dass zur Laufbereitschaft, zum Einsatz, zu den Grundausstattungen eines Fußballspielers, eben noch der Flair kommt. Sie alle wollen begeistern und das eben nicht nur mit ihrer Leistung, sondern mit Fußballkunst. Kunst, die nicht taktischer Natur ist, wie sie Trainer Laurent Blanc vielleicht gerne hätte, sondern Kunst um der Kunst willen. Kleine Kunststückchen, Kostproben ihres Könnens am Ball. Ibrahimovic joggt sich warm, bekommt einen Ball, nimmt ihn hoch und er scheint an seinem Oberkörper klebend entlangzurutschen. Irgendwie beängstigend und für einen Fußballfan zum Dahinschmelzen. Wir sind beim Warmmachen vor dem Spiel! In der deutschen Bundesliga hätte ein Zlatan Ibrahimovic ganz automatisch das Prädikat Fußballgott. In Paris nicht. Aufregend ist er hier natürlich trotzdem.

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Wenn dann ein Gegner das Feld betritt, der nicht unbedingt die große Torgefahr ausstrahlt, der von den Fähigkeiten her dermaßen unterlegen ist, dass Kunst am Ball eben möglich ist, dann wird es ein spezielles Spiel. Denn diese Kunst ist den Spielern von Paris Saint Germain wichtig. Toreschießen macht natürlich am meisten Freude, doch wenn eine Mannschaft weiß, dass ihr Star Ibrahimovic, obwohl er seit drei Monaten nicht mehr getroffen hat, schon irgendwie einen reinmachen wird, dann spielt sie den Ball eben anders. In der Abwehr fangen die teuersten Innenverteidiger der Welt, die im WM-Halbfinale enorm bloßgestellt wurden, damit an. No-Look-Pässe sind nicht erst seit Ronaldinho en vogue, doch Innenverteidiger spielen sie tatsächlich eher selten. Es macht auch nicht so viel Sinn, denn den Gegner will Thiago Silva damit nicht verwirren. Er tut es, weil er es kann. Und David Luiz, ein begnadeter Zweikämpfer, macht nach Ballgewinn das, was man aus der Bundesliga von Landsmann Lucio kannte. Er macht Ausflüge nach vorne. Dabei verliert er hin und wieder den Ball und eröffnet Nizza so sensationelle Kontergelegenheiten. Aber ich hatte erwähnt, dass die graue Maus eher unauffällig ist, wenn es darum geht, aufs Tor zu schießen. (Dabei sei angemerkt, dass der auffälligste Spieler Nizzas dennoch Alassane Plea ist, ein junger französischer Stürmer, der sich immer wieder behauptet, ohne Unterstützung jedoch kaum zum Abschluss kommt.)

In der ersten Halbzeit zelebriert PSG so viele Hackentricks und Übersteiger, das man das Gefühl bekommt, die Ligue Une sei für die zusammengekauften Stars mehr ein Wanderzirkus. Die Zuschauer goutieren das Spektakel immer wieder mit Jubelrufen. Und es ist auch wirklich faszinierend zuzusehen, wie sich diese Könner aus engen Situationen mit kunstvollen Tricks befreien, wie der Ball scheinbar wahllos halbhoch an den Strafraum gespielt wird, um dann von Cavani oder Ibrahimovic mit plötzlichen schnellen Bewegungen, Pässen, Lupfern so weitergeleitet zu werden, dass Nizzas Abwehr von schier unlösbare Probleme gestellt wird. Nur eben der Abschluss kommt zu selten. Ein Mal ist Ibrahimovic durch und knallt das Leder an den Pfosten. Da war er wieder, der Zauberer, aus der Luft nimmt er den Ball und dann fehlt nur ein ganz kleines Stück.

Kurze Zeit später ist er dann drin. Durch einen Elfmeter, sicher verwandelt von Zlatan Ibrahimovic. Es war kein Geschenk des Schiedsrichters, es war tatsächlich ein Strafstoß. Doch vor allem in der zweiten Spielhälfte entschließt sich Paris dazu, nun überhaupt nicht mehr in Richtung Tor zu spielen. Warum auch. Die Führung ist da und ungefährdet. Jederzeit könnte man ja wieder damit beginnen, Gas zu geben. Ici c’est Paris. Und der Zauberer hat gesprochen. Ibrakadabra.

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