Was Architektur kann

„We came as individuals. And we’ll walk out together.“

Joe Bradley, operating engnineer and recovery worker at Ground Zero, May 2002.

3.Kapitel: 9/11       

Ich dachte, das Memorial zu den Anschlägen vom 11.September 2001 würde mich einerseits runterziehen und andererseits irritieren, ich dachte es würde sehr amerikanisch sein, mit Heldengeschichten und mit der dick aufgetragenen Botschaft, dass diese einzigartige Nation die einzigartigste und besonderste der ganzen Menschheitsgeschichte ist. Man könnte sagen, ich war ein wenig skeptisch vor dem Besuch des Memorials zu 9/11.

Gleichzeitig aber war ich natürlich innerlich bereit, denn nur voll mit Skepsis, da hätte es keinen Sinn gemacht sich zu erinnern an diesenIMG_1484 Tag vor bald 14 Jahren. Ich wollte mich also darauf einlassen. Und das habe ich getan.

Das 9/11 Memorial hat Stil. Diese Analyse ist für mich dann also ein wenig überraschend und absolut positiv. Das Memorial hat mich mit seiner Intensität komplett überzeugt. Natürlich gibt es Bereiche in diesem weitläufigen und mehrere Stockwerke nach unten führenden Gebäude, die einen nicht unbedingt überzeugen wie zum Beispiel die Möglichkeit für jeden Besucher einzusprechen, wie er oder sie den 11.9.2001 erlebt hat, Allerdings sind so auch unvergleichliche Zeitzeugenberichte zustandegekommen. Und in einem Land, in dem es eine Fernsehsendung mit dem Titel „Eyewitness News“ gibt, muss es eine solche Möglichkeit geben. Wir verbringen ein bisschen mehr als 2 Stunden im Memorial, tauchen ein, lassen uns mitnehmen und müssen dabei auch immer wieder den Kopf anstrengen, um die geschichtliche Bedeutung dieses Tages nicht aus den Augen zu verlieren.

Innehalten. Beobachten. Nachdenken.

Mitfühlen. Erkunden. Herausfinden.

Es ist ernsthaft, seriös, geschmackvoll. So, dass einem vielleicht nicht IMG_2657die Tränen über die Wangen laufen, aber so, dass der 11.September 2001 angemessen und inhaltlich gut aufbereitet in Erinnerung gerufen wird. Hinzu kommen noch die beiden öffentlichen zugänglichen Wasserbecken, die die gefallenen Zwillingstürme repräsentieren. Ganz in Ruhe.

Das alles ist wirklich ausgesprochen schön und ein tolles Beispiel dafür, dass architektonische Fähigkeiten Vergangenes erlebbar und Trauriges begreifbarer machen können.

Die Ausfahrt aus dem Memorial führt übrigens über eine Rolltreppe. Das in diesen Tagen so auffällige „amazing grace“ ist die leise Begleitmusik.

4.Kapitel: One World Observatory

Der Plan am zweiten Tag unseres USA-Trips war sich zunächst in die Vergangenheit zu begeben und dann von ganz ganz oben herab- und wieder fröhlich in die Zukunft zu blicken. 32 Dollar kostet der Spaß hoch auf das neue World Trade Center in etwa einer Minute hinaufzufahren. Ein echt amerikanisches Vergnügen und wie soll ich sagen, es ist halt sehr weit oben und diese Höhe macht es in einer Stadt wie New York natürlich sensationell aufregend. Der Besucher zahlt für den Blick.

IMG_2718Wenn ich einen Schritt zurücktrete, dann ist dieses neue zum Symbol der Freiheit ausgerufene Gebäude natürlich wahr gewordene Geschichte. „The rebuilding continues“ schrieben diese geschichtenliebenden Amerikaner in großen Lettern an die Baustelle, während das One World Trade Center in beeindruckender Geschwindigkeit hochgezogen wurde. Und es ist unfassbar fotogen geworden!

Trotzdem gefällt mir auch ganz gut, wie einige Amerikanerinnen – nach dem Akzent aus dem Süden kommend – zum WTC mit kaum auseinandergehenden Zahnreihen sagen, als sie vor dem Gebäude ankommen: „Look, the new tower. There is the tower, the new tower.“ Der neue Turm. Schöner Buchtitel auch.

Oben zu sein ist ein Erlebnis, auch wenn die Organisatoren es einem ein klein wenig schwer machen. Denn hier geht es in erster Linie um Geld. Kein Mensch will mit einem für 15 Dollar geliehenen iPad durch die Gegend laufen und die Wolkenkratzer, die er eigentlich durch die Scheibe sieht digital berühren und so mehr über sie erfahren. Denke ich jedenfalls. Ich will schauen. Einfach nur schauen. Ein anderer kleiner eingebauter Effekt ist allerdings wirklich stark, Show können sie hier halt. Mehr will ich aber nicht verraten, für diejenigen, die noch hochwollen, ihr solltet es auf jeden Fall tun.

Die Architektur nach unten im Memorial und die Architektur nach oben im One World Trade Center, beides ist bemerkenswert. Und erlaubt dem Betrachter einen Blick in sich selbst. Denn Gefühle entstehen sowohl im Memorial, als auch beim Blick über diese riesenhafte Stadt.

IMG_2715

(Fortsetzung. Kapitel 1,2 in vorherigem Post.)

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