Das Fieber steigt. So langsam.

Irgendwie hat es mich in diesem Jahr 2016 nicht so gepackt wie sonst. Im Nachbarland Frankreich findet gerade die Fußball-Europameisterschaft statt. Ich habe frei. Und eigentlich finde ich jedes noch so schlechte Fußballspiel spannend. Wenn es ein Turnier ist, umso besser. Doch so richtig hat mich das EM-Fieber dieses Jahr nicht erwischt. Und das hat Gründe.

 

Grund 1: der Modus

Es ist schon viel über die Aufstockung der Europameisterschaft auf 24 Mannschaften geschrieben und gesprochen worden, doch in der Praxis bleibt es eben wie es ist. Der neue Modus ist Mist.

Die Vorrundenspiele waren teilweise von erschreckend schlechter fußballerischer und taktischer Qualität und dennoch konnten Mannschaften mit einem Sieg und zwei Niederlagen (Nordirland) oder gar keinem Sieg und drei Unentschieden (Portugal) als Tabellendritte ins Achtelfinale einziehen. Das ist doch Käse. Wer bei einem Turnier mies startet, den ereilt normalerweise das überraschende Vorrundenaus.

Portugals Rettung war lediglich, dass Österreich in der Gruppe eben noch dramatisch viel schlechter spielte als Ronaldo und Co.

Doch auch für Albanien und die Türkei muss es seltsam sein mit dem einen Sieg eben nicht weitergekommen zu sein. Warum eigentlich nicht? Im Grunde basiert das auf Zufall. Denn beide Teams haben mit ihrem einen Sieg eben ein schlechtes Torverhältnis gehabt, ein schlechteres zumindest als Nordirland und Portugal. Mehr oder weniger zufällig schieden diese Teams aus, andere kamen eben weiter. Ich kann diese EM deshalb erst jetzt, ab dem Viertelfinale ernst nehmen.

Zwar hat es Portugal tatsächlich geschafft hier zu stehen, doch die Leistungssteigerung war eben möglich durch diesen speziellen Turniermodus, bei dem in der ersten Runde nur acht von 24 Teams nach Hause fahren müssen. Dafür kanns jetzt richtig losgehen, mal eben mit dem vorgezogenen Finale Deutschland – Italien.

 

Grund 2: das Niveau

Es ist schon angeklungen, aber der Fußball bei dieser Europameisterschaft ist bisher größtenteils Murks. Islands Supermänner machen Spaß, na klar. Deutschland macht das, was eine Turniermannschaft so macht, sie wird besser. Italien ist taktisch ausgezeichnet. Belgien hat viele starke Einzelkönner, vor allem offensiv. Frankreich hat Griezmann und die Fans im Rücken. Wales hat Bale. Bei Polen wird’s schon schwieriger. Und alle, die jetzt raus sind, haben es wirklich verdient. Weil sie einfach miesen Fußball gespielt haben.

In der Vorrunde konnte kein einziges Team alle drei Spiele gewinnen! Kein einziges. Frankreich hätte das schon schaffen können.

Immerhin schlug man das nur verteidigende Albanien und die im ersten Spiel noch motivierten Rumänen. Doch gegen die extrem harmlosen Schweizer reichte es eben nicht. Alle drei angesprochenen sind mittlerweile raus. Zum Glück.

In Gruppe B überraschte Wales mit Bale und Ramsey, guter Organisation und einem echten Plan. Einem einfachen zwar, aber einem Plan. Ein Lichtblick.

Dass England eigentlich schon in der Vorrunde maßlos enttäuschte fiel gar nicht so auf, da die Russen so dermaßen lust- und planlos spielten, dass einem im Hinblick auf eine WM 2018 in Russland echt Angst und Bange werden muss. Die Slowakei enttäuschte nicht. Überraschte aber auch nicht. Alle raus, Wales drin. Juhu.

Deutschland holte immerhin sieben Punkte, genau wie Polen. Und beide sind so auch immer noch drin, weil sie zwar nicht sonderlich glänzten, aber auch nicht enttäuschten. Deutschland ist mittlerweile sogar richtig drin im Turnier, so sehr, dass auch Lukas Podolski endlich mitspielen darf. Absoluter Turnierfavorit. Also Deutschland. Dass die Ukraine hier mitgespielt hat, wird in wenigen Wochen keiner mehr wissen. Die Nordiren haben Eindrcuh hinterlassen. Auf den Rängen. Danke dafür.

Gruppe D ist mittlerweile ganz raus. Vor allem, weil Spanien eine der Enttäuschungen des Turniers ist und weil die Kroaten ihren Vorrundensieg gegen eben jene Spanier für den Europameistertitel hielten. Türkei und Tschechien brauchen wegen mir nicht mehr antreten.

In Gruppe E tat sich eigentlich nichts Überraschendes, aber dafür gabs zum Abchluss richtig muntere Spiele. Besseres Niveau als in den anderen Gruppen, weshalb Italien und Belgien auch noch dabei sind. Tschüss Zlatan.

In der letzten Gruppe schaffte es Portugal sich hinter Ungarn und Island zu qualifizieren. Das allein sagt alles, über das Niveau in dieser Gruppe. Schön, dass Island seinen Traum lebt. Aber allein, dass es erst jetzt beim Sprung ins Viertelfinale eine Sensation ist, dass Island noch dabei ist, sagt viel über das Niveau dieser Europameisterschaft aus.

 

Mittlerweile habe ich angefangen jedes Spiel zu schauen. Ich fiebere mich also so ein bisschen selbst hinein in diese EM. Hat mit den ersten Viertelfinals ja schon mal ganz gut geklappt. Gut, Portugal bleibt sich treu. Verrückt, dass die dann im Finale stehen werden.

Ansonsten hoffe ich darauf,  dass die Uefa in vier Jahren weiter aufstockt. Auf 32 Mannschaften. Dann gibt’s einen guten Modus bei miesem Niveau. Aber wenigstens könnte man dann die nervige Quali weglassen. Braucht doch kein Mensch.

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